Ich muss mich hier mal outen und gestehen, dass ich das Halbfinalspiel gegen Spanien nicht geguckt habe. Ich gucke in jeder WM nur ein Spiel (Fußball ist nicht so mein Ding), und ich hatte von Anfang an eines der Viertelfinalspiele im Visir. Im Viertelfinale geht es nämlich um alles:

  • Der Sieger darf danach noch zwei weitere Spiele mitspielen -- mehr darf niemand (!) -- und er zieht sicher ins Finalwochenende ein.
  • Der Verlierer ist hingegen sofort raus -- und als Letzter ohne einen definierten Platz.

Ich wollte unbedingt, daß die deutsche Mannschaft ihr Viertelfinalspiel gewinnt und fühlte mich genötigt, vor dem Fernseher mitzufiebern. Es war ein sehr schönes Erlebnis -- unabhängig davon, dass sie das Spiel auch tatsächlich gewonnen haben.

Im Halbfinale und Finale geht es hingegen im Vergleich dazu um nichts mehr. Natürlich ist es schön, wenn eines der beiden Spiele noch gewonnen wird -- so ein Platz auf dem Treppchen der letzten drei hat schließlich was --, aber es ist völlig egal, welches. An dem Turniersieg insgesamt finde ich auch nichts reizvoll. Außerdem ist derjenige, der das Spiel um den 3. Platz gewinnt, als Erster auf dem Treppchen!

Ein Bekannter hat mir mal gesagt, daß das Ziel vom Fußball allein darin bestehe, dass zwei gleichwertige Mannschaften auf's Feld gehen, um als ungleiche Mannschaften wieder herunterzukommen. Man müsse daher alle solchen Wettbewerbe verbieten und nur eine Sportkultur zulassen, in der jeweils so lange gespielt werde, bis alle den gleichen Punktestand haben. (Als studierter Völkerkundler kannte er auch Beispiele.) Ich selber komme aber ja eher aus der Feminismus-Ecke und bin für so Aussagen affin wie dass Männerfußball eine verachtenswürdige homophobe Kultur für verklemmt schwule Frauenhasser sei. Natürlich ist beides totaler Schwachsinn. (Wieviel da jeweils doch dran ist, mag jeder selbst für sich entscheiden.)

Regelrecht angewidert war ich hingegen von dem Mandi-Comic, auf den ich kürzlich gestoßen war. Insbesondere von den Kapiteln "Fußball und Nation", "Fußball, Nation und Geschlecht" und "Fußball für alle" (jeweils mit "ss" statt "ß" geschrieben, was aber wohl keine versteckte Aussage sein soll, sondern einfach der Schriftform Kapitälchen geschuldet ist bzgl. der sich wohl noch nicht herumgesprochen hat, daß es seit 2008 auch ein großes ß gibt). Ich sehe jedenfalls nicht, warum Fußball ohne "nationalen Scheiß" auskommen soll. Ich finde ein Meer von Deutschlandfahnen wunderbar! (Laut taz ist Mandi allerdings auch primär eine Reaktion auf Andi -- einer Gleichsetzung des Verfassungsschutzes von Antifas mit Nazis.)

Ansonsten noch aufgefallen war mir in den letzten Tagen diese Symmetrie -- auch wenn hier z.B. der Kreis von ITA 1982 nach ITA 2006 fehlt. Insofern ist es schade, daß das Finale nun nicht erreicht ist.

Aber das Spiel gegen Argentinien bleibt unvergessen. Es war ohnehin der spannendste Gegner im ganzen Turnier. Ich habe mir genau das richtige Spiel zum Gucken ausgesucht.