Ich möchte hier und jetzt (spontan und vor dem Frühstück) mal einen Text zur Betrachtung einstellen, der da wie folgt aussieht. Zu raten ist, von welcher Partei er stammt:
Eigentumsrechte an Wissen sind eine Perversion, denn kein Wissen existiert, das nicht gesellschaftlich erworben ist durch öffentliche Forschung und Bildung, durch Jahrtausende alte Erfahrung, durch die ständige Selbstbildung der Menschen. Patente und Copyrights sind Diebstahl an der Wissensallmende. [...] In einer wissensbasierten Gesellschaft, in der die Schlacht um Patente und die Aneignung der Wissensallmende durch die großen Konzerne tobt, in der Patente auf Leben errungen werden, auf Saatgut, das von den Bauern in Jahrhunderten entwickelt wurde und ihnen nun enteignet wird, auf das Heilwissen von Frauen, auf wilde Arzneipflanzen, die für die indigenen Völker lebensnotwendig sind, auf das Wissen, das der ganzen Menschheit gehört, muss das Ziel [...] die Verteidigung der Wissensallmende und die Befreiung des Wissens von privaten Eigentumsrechten sein.
Worum handelt es sich hier? Um ein Plädoyer der Piratenpartei gegen Geschäftsmodelle auf Basis von Patenten? Wir kriegen's raus, wenn wir noch einen kleinen Absatz weiter lesen:
Wissen darf nicht großen Konzernen gehören. Kapitalgesellschaften produzieren kein Wissen, Wissen produzieren Menschen. Wissen kann nur durch und in Bezug auf WissensarbeiterInnen existieren, die von der Produktion des Wissens leben müssen. Diese wiederum müssen in der Lage sein, ihren Lebensunterhalt mit ihrer Wissensarbeit zu sichern, sie müssen vor dem Raub ihres Wissens geschützt sein. Das Wissen selbst aber muss frei sein.
Jetzt ist es klar erkennbar: Wer ist völlig fixiert auf Erwerbsarbeit ("Lebensunterhalt mit Wissensarbeit sichern"), auf Produktion ("von der Produktion des Wissens leben") und auf Marxsche Vergesellschaftung ("Kapitalgesellschaften produzieren kein Wissen")?
Ja, es ist Die Linke. Der Text stammt aus dem Feministischen Manifest der Bundesfrauenarbeitsgemeinschaft der Linken.
Ich muß weg (es ist Werktag und ich schreibe dies wie gesagt spontan und vor dem Frühstück), also bleiben der geneigten LeserIn meine Gedanken dazu erspart. Macht Euch einfach selber welche!
Die Piratenpartei ist gegen Softwarepatente und gegen Geschäftsmodelle auf Basis künstlicher Verknappung digitaler Daten durch DRM-Systeme. Und sie kämpft gegen den Mißbrauch des Patent- und Urheberrechts durch große Verwertungsgesellschaften zu Lasten der Kreativen. Sie steht also ebenfalls für "die Verteidigung der Wissensallmende und die Befreiung des Wissens". Aber diese Zielstellung hat einen ganz anderen Hintergrund.
Was genau hier der gewaltige Unterschied ist -- das, wie gesagt, schreibe ich jetzt nicht. Ihr kriegt es schon selber raus.
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