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Hans-Georg Kaiser
Winterwelt


Ein letzter Schrei noch aus zerbroch'nen Hallen;
Schon halb erstickt, verworfene Gesänge.
In kalter Zeit verstummen eitle Klänge;
Von oben her die toten Engel fallen.

Ich bin erstaunt und spüre schon die Krallen
der Winterwelt im Eise, in der Menge.
Der Lügengott bewegt sich im Gedränge;
und irgendwo im Trott ein Fäusteballen.

Die Eisprinzessin liebt den Frost, die Wehen.
Sie hat kein Herz, weil dies am Leben hindert.
Sie weiß genau: Nur Starkes überwintert.

Viel Weihnachtsfrust, die Rabenjungen krähen.
Die Schneefrau schweigt, sie hat genug vom Leben.
Sie wünscht sich nur: Es sollte Frühling geben.