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Posted: 13 Apr 2022


Taken: 28 Feb 2021

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Zeche Haus Aden 1/2, Doppelbock-Fördergerüst über Schacht 2 (Bergkamen-Oberaden) / 28.02.2021

Zeche Haus Aden 1/2, Doppelbock-Fördergerüst über Schacht 2 (Bergkamen-Oberaden) / 28.02.2021
Die ehemalige Zeche Haus Aden, dessen Name auf die Gemarkungen Unter- und Oberaden Bezug nimmt, gehört zu den jüngeren Bergwerken im Ruhrgebiet. Erste bergbauliche Aktivitäten gab es hier bereits 1875, als gleichnamige Grubenfelder von den Gewerken Emil Ebbinghaus aus Asseln und Heinrich Grimberg aus Bochum angekauft wurden. Aber erst 1938, zu der Zeit des NS-Regimes, begann man mit den Abteufarbeiten für eine Doppelschachtanlage. Die Schächte 1 und 2 erreichten schon im Jahr darauf das Steinkohlengebirge bei 456 m. 1943 nahm man die Förderung mit knapp 1100 Beschäftigten auf, unter denen auch viele osteuropäische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter waren. Aufgrund der Ereignisse des Zweiten Weltkrieges kam man zunächst nicht dazu, das Bergwerk zu erweitern, so dass die Menge der geförderten Kohlen bescheiden blieb.

Erst 1955 wurde mit einem umfangreichen Ausbau der Schachtanlage nach Plänen des berühmten Industriearchitekten Fritz Schupp begonnen. Die Zeche lag außerdem optimal zwischen der Hamm-Osterfelder Bahnstrecke und dem Datteln-Hamm-Kanal, hatte also die besten Verkehrsanbindungen. Nachfolgend entstand ein weitläufiges Bergwerksgelände mit modernen Förder- und Ausbereitungsanlagen, einer großzügig angelegten Gleisanlage und einem Verladehafen. Insgesamt erstreckte sich das Gelände Haus Aden auf eine Länge von 1,7 km. Wegen des späten Starts wurde keine Kokerei gebaut, da es günstiger war, die abgebaute Kohle in Kokereien auf benachbarten Zechen zu verarbeiten. Der größte Teil der Förderung wurde über den Hafen abgesetzt, der Rest mit der Bahn. Von 1956 bis 1959 wurde weiter nordwestlich der Schacht 3 abgeteuft, welcher zur Bewetterung diente. Nun konnten Jahresfördermengen von über einer Million t Kohle erreicht werden. Als in den 1960er Jahren die Kohlenkrise einsetzte, kam es zwar zur Entlassung von einem Viertel der damaligen Belegschaft, dennoch überstand die Zeche diese schwierige Zeit. Es wurden bereits in Tiefen von bis zu 745 m abgebaut. Durch den Bergbau wurde aus Oberaden, bis dahin nur durch die Ausgrabungsstätte des deutschlandweit größten Römerlagers bekannt, eine geschlossene Siedlung mit über 13.000 Einwohnern.

Aufgrund ihrer hohen Förderkapazität und der günstigen Infrastruktur war es für die Zeche Haus Aden vom Vorteil, die Förderung unrentabler Nachbaranlagen zu übernehmen. Als erstes wurde 1973 ein Durchschlag zur Zeche Grimberg 3/4 in Weddinghofen erstellt und diese ab dem folgenden Jahr als Außenanlage (Haus Aden 3/4) betrieben. In dem Zusammenhang benannte man den Schacht 3 in "Schacht 5" um. Da jedoch die Kohlenvorräte allmählich zur Neige gingen, wurde 1977 beschlossen, ein Anschlussbergwerk nördlich von Haus Aden zu errichten. Das sogenannte Nordfeld mit einem geschätzten Vorrat von 150 Millionen t Kohle sollte durch zwei neue Schächte erschlossen werden, als Förderstandort verblieb weiterhin die Oberadener Anlage. 1979 begann das Abteufen des Wetterschachtes 6 in Werne-Langern, der vier Jahre später in Betrieb ging. Von 1983 bis 1988 wurde ebenfalls auf Werner Gebiet der Schacht 7 (eigentliche Bezeichnung: "Schacht Romberg") niedergebracht. Dieser war als zentraler Seilfahrt- und Materialschacht konzipiert und erhielt ein markantes Fördergerüst, das aufgrund seiner einzigartigen Konstruktion "Golfschläger" genannt wurde. Für ihre moderne architektonische Gestaltung wurde die Schachtanlage Romberg mehrfach ausgezeichnet. 1988 konnte mit dem Kohlenabbau im Nordfeld begonnen werden, nachdem Proteste einer Bürgerinitiative, die Bergschäden im Bereich des Schlosses Cappenberg befürchtete, beigelegt wurden.

Zeitgleich mit der Erschließung des Nordfeldes übernahm die Zeche Haus Aden Grubenfeldteile der 1985 stillgelegten Zeche Gneisenau mittels eines 2,3 km langen Förderbergs. Dadurch wurden die Schachtanlagen Victoria 1/2 und Kurl 3 in Lünen angegliedert und konnten ebenfalls weiterbetrieben werden. Außerdem begann man 1990 vom Betriebsbereich Grimberg 3/4 aus mit dem Abbau des Eßkohlenflözes Mausegatt in einer Rekordtiefe von 1425 m. Am 15. April 1992 kam es auf der Zeche Haus Aden zum wahrscheinlich letzten großen Grubenunglück im Ruhrgebiet: bei einer Schlagwetterexplosion starben 7 Bergleute. 1993 wurde mit der Bergkamener Zeche Monopol (Grimberg 1/2) unter dem Namen "Haus Aden/Monopol" ein Verbundbergwerk gebildet, das seinerzeit größte in Deutschland. Alle Kohlen kamen weiterhin auf Haus Aden zu Tage, während Grimberg 1/2 als Nebenanlage firmierte. Im Gegenzug wurden 1994 die Schachtanlagen Grimberg 3/4 und Haus Aden 5 stillgelegt.

Im Jahr 1998 erfolgte schließlich der Verbund von Haus Aden/Monopol mit der Zeche Heinrich Robert zum "Bergwerk Ost". Gleichzeitig gab man die Baufelder Victoria 1/2 und Kurl 3 endgültig auf und verfüllte dort die Schächte. Trotz der besseren Infrastruktur hier in Bergkamen wurde beschlossen, die gesamte Kohlenförderung des Verbundbergwerks auf den Standort Heinrich Robert in Hamm zu konzentrieren. So erfolgte im Jahr 2000 die Stilllegung aller Schachtanlagen der Zeche Haus Aden. Der Schacht 2 blieb weiterhin für die zentrale Wasserhaltung des Bergwerks Ost offen, das erst 2010 seinen Betrieb einstellte.

Wenige Jahre nach der Stilllegung wurden auf Haus Aden 1/2 so gut wie alle Tagesanlagen abgerissen. Nur das Doppelbockgerüst in Stahlkastenbauweise über Schacht 2 blieb bis 2021 erhalten. Es wurde in den 1960er Jahren ursprünglich als normales Strebengerüst gebaut und dann 1979 zum Doppelbock erweitert. Auch nach dem Ende des Bergwerks Ost wird im Schacht 2 weiter die Wasserhaltung betrieben. Diese Maßnahme soll als sogenannte Ewigkeitsaufgabe verhindern, dass sich das salzhaltige Grubenwasser mit dem Grundwasser darüber vermischt. Seit 2020 bedient man sich allerdings einem neuen Konzept der Wasserhaltung: Die untertägigen Pumpen wurden abgestellt und der Schacht 2 bis auf eine Tiefe von 750 m verfüllt. Bei den Verfüllarbeiten wurden im Schacht Hüllrohre eingebaut, in welche dann Tauchpumpen eingehängt werden können. In der Endstufe wird der Standort Haus Aden einer von insgesamt sechs sogenannter Brunnenbetriebe im Ruhrgebiet sein, von denen aus das Grubenwasser nur noch in größere Flüsse fließt. Jährlich werden dann hier in Bergkamen rund 13 Millionen m³ Grubenwasser in die Lippe geleitet, erschlossen aus einem Netz alter Bergwerksstollen, das sich von Dortmund über Lünen und Hamm bis nach Ascheberg erstreckt.

Auf der rund 54 Ha großen Brachfläche der ehemaligen Zeche Haus Aden entsteht in den nächsten Jahren eine der innovativsten Siedlungen des Ruhrgebiets, die den Namen "Wasserstadt Aden" tragen wird. Unter dem Motto "Leben auf dem Wasser" soll das neue Stadtquartier sowohl Wohnen und Arbeiten, als auch Erholung und Freizeit miteinander verbinden. Herzstück der Planungen ist ein neuer See, der parallel zum Datteln-Hamm-Kanal entstehen wird und von diesem aus mit Booten befahren werden kann. Im Westen ist eine Fortsetzung durch eine 800 m lange Gracht geplant. An den Ufern der neuen Wasserfläche sollen rund 300 Wohneinheiten, zum Teil mit eigenen Anlegestellen für Boote, gebaut werden. Die Wasserstadt Aden ist das größte Stadtentwicklungsprojekt im Ruhrgebiet und soll bis zum Jahr 2026 fertiggestellt sein.
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