DannyB93

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Posted: 29 Mar 2018


Taken: 05 Jan 2018

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Ruhrgebiet
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Zeche Emscher-Lippe 1/2, ehemalige Schlosserei (Datteln-Meckinghoven) / 5.01.2018

Zeche Emscher-Lippe 1/2, ehemalige Schlosserei (Datteln-Meckinghoven) / 5.01.2018
Bereits in den 1870er Jahren wurden im Dattelner Gebiet durch Suchbohrungen ergiebige Kohlevorkommen nachgewiesen. Es dauerte allerdings knapp drei Jahrzehnte, bis die Grubenfelder hier durch die Firma Krupp erworben wurden. 1902 gründete sie die Zeche Emscher-Lippe, und südlich der Altstadt von Datteln begann man mit dem Abteufen der Schächte 1 und 2. Die Benennung der Zeche wurde hierbei nach der geografischen Lage des Grubenfeldes als gekipptes Viereck zwischen den Flüssen Emscher und Lippe gegeben. 1904 erreichten die Schächte bei 560 m Tiefe das Steinkohlengebirge, zwei Jahre später konnte man mit der Förderung beginnen. Auch eine erste Kokerei ging hier um 1908 in Betrieb. Die Tagesanlagen mit den beiden stählernen Fördergerüsten waren zu damaliger Zeit technisch auf dem neuesten Stand, weshalb Emscher-Lippe ab 1909 zu eine der leistungsfähigsten Schachtanlagen des Ruhrgebiets wurde. Zudem hatte die Zeche hier in Datteln die besten Verkehrsanbindungen, da unmittelbar östlich der Dortmund-Ems-Kanal (wo später Europas größter Kanalknotenpunkt entstand) und weiter südlich die Hamm-Osterfelder Eisenbahnlinie verläuft. Durch den Erwerb von Bergarbeitern stieg die Einwohnerzahl von Datteln innerhalb weniger Jahre rapide an, und mit der Errichtung von Zechenkolonien wie der Krupp'schen Beisenkampsiedlung wurde aus dem Ort eine ruhrgebietstypische Bergbaustadt.

Mit dem Teufen des weiter nördlich gelegenen Schachtes 3 am Dortmund-Ems-Kanal wurde bereits 1907 begonnen. Da der Schacht jedoch 1910 durch einen Wassereinbruch absoff, konnte dieser erst 1912 in Betrieb gehen. Bis 1915 wurde dann noch der Wetterschacht 4 neben Schacht 3 niedergebracht, es entstand so die zweite Doppelchachtanlage Emscher-Lippe 3/4 mit eigenem Hafen. Im gleichen Jahr sind rund 600.000 t Kohle gefördert worden bei einer Belegschaft von 2678 Mann. Allerdings unterbrachen die Ereignisse des Ersten Weltkriegs (1914–1918) den Aufstieg der Zeche, da viele Arbeitskräfte als Soldaten einbezogen wurden und an die Front ziehen mussten. Nach 1918 konnte aber die Förderung wieder auf über eine Million t Kohle gesteigert werden. Im Jahr 1922 ging auf der Schachtanlage 3/4 eine weitere Kokerei in Betrieb. Durch eine Zechenanschlussbahn waren beide Anlagen von Emscher-Lippe an den Bahnhof Datteln angeschlossen. Von 1926 bis 1929 wurde westlich der Dattelner Altstadt Schacht 5 abgeteuft, um das Nordwestfeld der Zeche erschließen zu können. In diesem Schacht erfolgte die Führung des Förderkorbs nicht wie üblich mit Spurlatten, sondern mit Seilen, wie man es aus dem englischen Bergbau kannte. 1931 wurde als Folge der Weltwirtschaftskrise die Kohlenförderung auf der Schachtanlage 3/4 eingestellt, die fortan als Nebenanlage zur Seilfahrt und Materialversorgung diente. Emscher-Lippe 1/2 brachte aber weiterhin genügend Kohle zu Tage, 1935 immerhin knapp 1,5 Millionen t (2800 Mann Belegschaftsstärke).

Bis zum Ausbruch des Zweiten Weltkrieges blieb die Zeche technisch auf dem neuesten Stand. Im März 1945 wurden jedoch die Tagesanlagen von Emscher-Lippe durch Großangriffe amerikanischer Bomber schwer beschädigt. 600 Menschen, darunter 300 russische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, verloren dabei ihr Leben. Der Förderbetrieb auf der Zeche brach zusammen, weil die Pumpen ausfielen und die Strecken unter Tage dadurch voll Wasser liefen. Nur mit viel Mühe wurden die Kriegsschäden beseitigt, und 1948 konnte man wieder 731.000 t Kohle fördern. 1953 wurde, auf Anordnung der Alliiertenkommission, die Zeche Emscher-Lippe aus dem Krupp-Konzern ausgegliedert und in eine selbstständige Bergbau-AG umgewandelt. Mit dem Erwerb des nördlichen Grubenfeldes "An der Haard" vergrößerte sich 1955 der Bergwerksbesitz. Diese Erweiterung machte 1960 das Abteufen des Schachtes 6 erforderlich, der vier Jahre später seinen Betrieb als Seilfahrt- und Wetterschacht aufnahm.

Mit der zunehmenden Elektrifizierung der Eisenbahnen war im östlichen Ruhrgebiet ein Kraftwerk notwendig, um eine sichere Versorgung von Bahnstrom zu gewährleisten. Nachdem die Zeche Emscher-Lippe einen Vertrag mit der Bundesbahn abschließen konnte, wurde von 1964 bis 1969 das Steinkohlenkraftwerk Datteln 1-3 (später zu E.ON) gebaut, welches etwa 20% des deutschen Bahnstroms erzeugte. 1970 ging Emscher-Lippe zusammen mit den beiden Kokereien als eine der letzten freien Bergwerke in die neugegründete Ruhrkohle AG (RAG) auf.

Im Rahmen eines Gesamtanpassungsplans der RAG wurde eine Neuordnung des Abbaus der Grubenfelder im Gebiet der Haard festgelegt. Die Dattelner Zeche hatte hierbei schlechte Karten, ihren Betrieb fortzuführen. Zum einen, weil die Förderanlagen aufwändig erneuert hätten werden müssen (beispielsweise fehlte eine zeitgemäße Skipförderung), zum anderen galten die Kohlenaufschlüsse der Lagerstätten im Nordfeld als unbefriedigend. Am 25. Februar 1972 wurde Emscher-Lippe mit der Zutagebringung des letzten Förderwagens stillgelegt. Die Kokerei auf der Schachtanlage 3/4 produzierte bis 1975, die auf der Anlage 1/2 sogar noch bis 1983. Im Anschluss erfolgte der Abbruch sämtlicher Tagesanlagen, nur einige Gebäude blieben für eine gewerbliche Nutzung erhalten.

Schacht 6 wurde nach 1972 der Zeche Ewald Fortsetzung zugewiesen und im Jahr 1990 wieder für die Bewetterung reaktiviert. Ab 1992 war dieser Schacht Bestandteil des Verbundbergwerks Blumenthal/Haard, das durch Zusammenschluss von Ewald Fortsetzung mit der Zeche General Blumenthal in Recklinghausen entstand. Bis 1999 blieb Emscher Lippe 6 als Wetterschacht in Betrieb, danach wurde er endgültig aufgegeben und nachfolgend verfüllt.
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